Los Tres Viajantes: Steffi, Tim + Jonas in Südamerika
Los Tres Viajantes: Steffi, Tim + Jonas in Südamerika     

Das Fahrzeug

Bild Traveller-Treffen in La Paz, Bolivien

Bei der Auswahl des Fahrzeuges waren für uns die Kriterien Zuverlässigkeit, Verbreitung/Ersatzteilversorgung, Platzangebot, Haltbarkeit/Sicherheit (feste Karosserie, kein WoMo-Aufbau) und ein Mindestmaß an Schotterpisten-Tauglichkeit ausschlaggebend. Wir wollten ein Auto, in dem man auch mal einige Nächte hintereinander autark schlafen kann, aber kein unbewegliches Riesen-Wohnmobil. Und wir wollten ein Gefährt, dass eventuell etwas weniger den europäischen Ansprüchen an Komfort und Elektronik entspricht, dafür aber in jeden Land Südamerikas verbreitet ist und entsprechend repariert werden kann, sprich: z.B. kein elektronischer Dieselpartikelfilter.

Dazu kommt: Da es auf dem südamerikanischen Markt nur eine handvoll (es sind wirklich nur 4-5) ernstzunehmende, seriöse Händler für solche Fahrzeuge gibt, wollen wir es in Deutschland kaufen und dann verschiffen. Das ist zwar teuer, aber angenehmer, als dort dann vor Ort unter Zeitdruck (man will ja losfahren) diverse zweifelhafte Mobile zur Auswahl zu haben. Hätten wir länger als sechs Monate Zeit, häten wir lieber vor Ort gekauft, um die Verschiffung zu sparen. Da aber Suche und Ummeldung mindestens drei Wochen in Anspruch nehmen, war uns diese Zeit zu wertvoll. Außerdem können wir das Auto so zuhause schon etwas vorbereiten und darin "heimisch" werden. Wichtig gerade auch für Jonas. 

 

Nun sind wir in vielen Zwischenschritten und Überlegungen vom (exorbitant überteuerten) "Allrad-Traum-Mobil" über zwillingsbereifte Heckantriebler beim frontangetriebenen Renault Master gelandet. Haben Landcruiser, Defender, Hilux, etc. hinter uns gelassen und uns für ein sehr familienfähiges Mobil entschieden (echtes "Offroad" fahren wir mit Jonas natürlich sowieso nicht, und die Pistentauglichkeit haben wir mit Nachrüstungen (s.u.) sichergestellt). Der "Roadmaster L" Aufbau von Pössl bietet dabei ein Höchstmaß an Wohnmobilkomfort in der schlanken, stabilen Metallhülle eines Kastenwagens.

Den Renault haben wir dann noch aufgerüstet, wie genau seht ihr unter "unser Roadmaster".

 

Eine Fahrzeug-Miete kam übrigens nicht in Frage, denn zum einen würde selbst inklusive aller Langzeit-Rabatte ein Preis von ca. € 25.000,- anfallen und zum anderen ist ein freier Grenzwechsel mit Mietwagen nur zwischen Chile und Argentinien, nicht aber zwischen den weiteren Ländern möglich.

 

Daß Reisen in Südamerika auch ohne 4x4 Expeditionsmobil, ja sogar mit großen, schweren integrierten Wohmobilen möglich ist, liest man z.B. hier.

Im Panamericana-Forum wiederum trifft man Traveller, die zum Großteil mit Allradfahrzeugen unterwegs sind. Fazit: Alles geht.

Wir werden berichten, wie zuverlässig der Roadmaster ist und welche Pannen passieren. Letztlich ist ein Teil der Fahrzeugwahl auch immer eine eher philosophische Frage, neben den technischen Daten spielen bei einigen Enthusiasten auch Markenvorliebe, Design, etc. eine Rolle. Alle genannten Modelle haben sicher ihre Vorteile. Und ich habe gelernt, die Autorecherche ist ähnlich wie die medizinische Selbstdiagnose im Internet: Man kann auch zuviel lesen und dann ist jedes Auto auf einmal schlecht. Liest man ein Fordforum, sind alle Fiat-Ducatos schlecht, liest man bei Fiat, ist es umgekehrt. Spricht man mit einem Wohnmobilhändler, empfiehlt der ein Wohnmobil. Spricht man mit einem Kastenwagenverkäufer, rät er vom Wohnmobil ab... Viele der befragten "Experten" haben überhaupt keine Ahnung von den wirklichen Verhältnissen in Südamerika und wollen nur ein Auto verkaufen, andere wiederum hängen sich voller Enthusiasmus in unser Projekt und waren uns eine wertvolle Hilfe. Das gute Gefühl im Gespräch ist letztlich sicher auch ein wichtiger Faktor in der Kaufentscheidung.

 

[Nachtrag nach 27.000km:] Der Renault Master hat sich als extrem zuverlässig und pannenresistent erwiesen. Außer einem halben Liter Öl und ein bißchen Reifenluft hat er bislang keine ernste Reparatur gebraucht. Außerdem sieht man das Modell (hier als Minibus) häufig herumfahren, was zusätzlich ein gutes Gefühl gibt.

Jeder soll natürlich das Modell fahren, dass ihm am meisten zusagt - ganz ohne Zweifel wird aber die Fahrzeugfrage in Europa maßlos überbewertet und Notwendigkeiten herbeigeredet, die vor Ort nicht bestehen. - Gerne auf (Verkaufs-) Messen, in "Experten"-Foren und von Leuten, die Europa noch nie verlassen haben.

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© Tim Voges