Los Tres Viajantes: Steffi, Tim + Jonas in Südamerika
Los Tres Viajantes: Steffi, Tim + Jonas in Südamerika     

Je weiter südlich wir reisen, desto weniger bietet sich eine ländermäßige Trennung der Berichte nach "Argentinien", bzw. "Chile" an, denn Patagonien ist eine große Region beider Länder und die Grenzübergänge werden für uns immer häufiger. Streckenweise gibt es nur eine Straße, entweder in Chile oder in Argentinien. Daher fassen wir alle Erlebnisse hier unter "Patagonien" zusammen.

Dieser Abschnitt beginnt südlich vom chilenischen Puerto Montt mit der Reise auf der legendären "Carretera Austral", einer 1.200 Kilometer langen Schotterpiste durch einsame Berg-Regenwälder, weite Täler und Gletscherseen, die einst unter Pinochet gebaut wurde:

 

Carretera Austral

Hornopirén - Chaitén

In Puerto Montt beginnt die "Ruta 7" oder auch "Carretera Austral". Die ersten 40 Kilometer sind noch asphaltiert und die Straße windet sich entlang der Küste gen Süden. Doch schon bald - im Örtchen La Arena - gibt es einen ersten Stopp: Die weitere Passage kann nur mit einer kleinen Fähre absolviert werden, bevor die Straße in La Puelche weitergeht. Die Überfahrt dauert 30 Minuten und Fähren stehen bereit.

Dann geht es auf grobem "Ripio" (Schotterpiste) weiter. Die Carretera wird laufend gewartet (Spurrillen aufpflügen, neu schottern, walzen) und gerade in diesen aufgepflügten Bauabschnitten kommen wir im Schlamm ganz schön ins schwimmen. Passend zu Patagonien haben wir den ganzen Tag Nebel und Nieselregen, was die Straßenverhältnisse nicht besser macht.

Im Ort mit dem schönen Namen "Hornopirén" ist die Straße wiederum unterbrochen und nur mit einer weiteren Fährpassage über 80km durch einen Fjord fortzusetzen. Die Fähre fährt einmal am Tag morgens und so haben wir Zeit, zu rasten. Unser Stellplatz ist heute auf der verregneten Wiese eines abgelegenen Bauernhofes, der Gelbe wird von Schafen, Schweinen und Pferden umzingelt. Abends klopft die Bäuerin und reicht uns soeben gebackenes, warmes Brot...

Über Nacht regnet es ununterbrochen und ich ahne schon: die Steigung zurück zur Straße auf der nun noch nasseren Wiese wird eine Herausforderung. Außerdem sehen wir an den Bergen rundrum, dass die Schneefallgrenze nur ca. 200m über uns liegt. Die Weiterfahrt bleibt also spannend.

Am Fähranleger am nächsten Morgen sehen wir einen VW Caddy mit deutschem Kennzeichen, "Roland" fährt darin ganz alleine annähernd die gleiche Route wie wir, allerdings in nur vier Monaten. Die Fähre fährt über dreieinhalb Stunden durch neblige Fjorde und ...Nieselregen. Dann verlässt man die Fähre, überquert über eine sehr enge, matschige Piste eine Landzunge und setzt die Fahrt dann mit einer weiteren Fähre nach Chaitén fort.

Nach Chaitén fahren wir nun gemeinsam mit Roland - der Weg führt entlang der nagelneuen, riesig-breiten Landebahn des einsamen Versorgungsflughafens und ich erlaube mir den Spaß, nach den vielen Schotterpisten quer über die schön glatte Landebahn zu fahren. - Bis ich das wilde Gestikulieren und den entsetzten Blick vom Mann im Tower entdecke :-)

Der Ort Chaitén wurde beim Vulkanausbruch 2008 unter einer meterdicken Ascheschicht begraben und nun mischen sich wieder aufgebaute Häuser und verlassene Ruinen zu einem merkwürdigen unwirtlichen Gesamtbild. Für die Nacht stellen wir uns einfach an den Straßenrand und bilden mit Roland eine "Wagenburg".

Chaitén - Puyuhuapi - Coyhaique - Puerto Ibanéz

Von Chaitén geht es zunächst noch auf Asphalt Richtung Puyuhuapi. Dann folgen allerdings 120Km Ripio - kein Vergnügen. Teilweise ist die "Straße" so grob, dass es aussieht, als fahre man durch ein trockenes Flussbett aus 20cm großen Kieselsteinen.

Die Landschaft ist einmalig: dichte, triefende Regenwälder, Bäume voller Flechten und Moose, große Farne hängen auf die schmale Piste und immer wieder ergießen sich kleine Wasserfälle links und rechts des Weges. Dann gibt es wieder Aussichten mit senkrechten Felsmassiven und smaragdgrünen Seen.

Auch heute haben wir wieder einen originellen Stellplatz: im sehr beengten "Garten" eines sehr einfachen Hauses in Puyuhuapi findet unser Gelber gerade so Platz zwischen Holzschuppen und Ziegengatter. Aber wir bekommen ein Stromkabel und können unsere Weicheier-Luxusheizung laufen lassen.

Im weiteren Verlauf der Carretera Austral werden die Täler allmählich breiter, der Wald lichtet sich für offene Weideflächen und sanfte Hügel. Überall liegen unzählige verrottete Baumriesen herum, wir haben erst nachträglich herausgefunden, das ein Vulkanausbruch vor Jahrzehnten die Ursache war.

Coyhaique ist mit 40.000EW einer der ganz wenigen "größeren" Orte und wir wollen allerlei Logistisches erledigen. Trotz der Ortsgröße gibt es keinen Campingplatz (erster geschlossen, zweiter wird renoviert, dritter ist für den Gelben unbefahrbar, ...) und letztlich stehen wir am sehr schönen aber geschlossenen Hostal im Wald. Wir sind so frei und nutzen den Außen-Wasserhahn zum Auffüllen unseres Tanks. Auch unsere Gasflasche wollen wir füllen lassen und warten dafür extra von Samstag bis Montag in Coyhaique ab, aber trotz der guten Erfahrungen mit "Lipigas" weiter im Norden Chiles hat hier niemand den passenden Adapter. Zum Glück haben wir noch eine weitere 11kg Flasche an Bord... So haben wir die Muße, uns die Wasserfälle der Umgebung anzusehen, sowie im örtlichen Baumarkt einige Ersatzteile zu erwerben (Blechschrauben - einiges hatte sich losgerüttelt, einen neuen Wasserschlauch - der alte war schon marode, und Sensation: Toilettenchemie - gefunden nach 4 Monaten Dauerausschau). Auch das Auto erhält wieder eine Inspektion und außer einer losen Auspuff-Schelle ist nichts zu beanstanden. Schließlich beschließt Steffi, in Ermangelung eines Hostals unsere Außendusche zu benutzen und veranstaltet auf einem Parkplatz ein sehr frostiges Duschvergnügen.

In Puerto Ingeniero Ibanéz stoßen wir auf den Lago General Carrera, den zweitgrößten See Südamerikas. Während der Fahrt passieren wir erste Schneefelder und neben der Straße ist der Schnee teilweise zwei Meter hoch aufgetürmt. Diesmal haben wir die Wahl: Fähre über den See oder Piste drum herum und wir entscheiden uns für die längere Piste.

...nur um das auch gesagt zu haben: Dem Fuß, den ich mir auf Chiloé umgeknickt hatte, geht es wieder ziemlich gut, wahrscheinlich durch das Tragen meiner tollen Wanderschuhe :-) Er schmerzt noch leicht, aber ich kann mormal laufen. Also keine Not-OP im Feld-Lazarett.

Puerto Ibanéz - Puerto Tranquilo - Chile Chico

Die halbe Umrundung des Lago General Carrera bedeutet ca. 300 Kilometer ruppige Schotterpiste, um dann in das Örtchen "Chile Chico" zu gelangen. Dabei ist es Luftlinie nur 35km von Puerto Ibanéz entfernt...

Die Piste bietet dafür aber auch einiges an herrlicher Landschaft. Allem voran die Marmorhöhlen bei Puerto Tranquilo: Hier hat das Wasser bizzare, rundliche Formen in den fast weißen, bläulichen Marmor-Fels gewaschen. Überhaupt ist das Wasser des Carrera-Sees so unglaublich türkis-blau, dass man eigentlich direkt hineinspringen möchte (die Farben der Fotos s.u. sind nicht bearbeitet). Umgeben von schneebedeckten Gipfeln und mit über 500 Metern Wassertiefe ist es aber doch ein bißchen zu kalt. Immerhin: Es regnet nicht mehr, hier steht der Frühling vor der Tür.

Auf einem unserer Stellplätze treiben sich lauter Baby-Ziegen herum und Jonas ist hochinteressiert. Warum allerdings am Baum neben uns ein gehäuteter Schafskopf hängt, der am nächsten Tag nicht mehr da ist, wissen wir nicht.

Chile Chico ist gleichzeitig Grenzort zu Argentinien und so verlassen wir hier die Carretera Austral, die sicherlich ein ganz besonderer Abschnitt der Reise war und begeben uns ins argentinische Patagonien...

Nationalpark Los Glaciares

Fitz Roy und El Chaltén

Bevor wir den Nationalpark "Los Glaciares" erreichen, stehen uns erstmal 500 Kilometer einsamste Straße bevor. Auch hier befahren wir wieder die berühmte "Ruta 40", die hier allerdings auf weiten Strecken eine grobe Schotterpiste ist. Den ganzen Tag sehen wir kein einziges anderes Auto. Es gibt hier keine Menschen, keine Orte, keine Handynetze, keine Tankstellen.

Links und rechts der Straße gibt es ab und zu die sogenannten "Estancias", das sind aber keine herrschaftlichen Großgrundbesitzer-Villen am Straßenrand, sondern nicht sichtbare Häuser, oft 20 oder 30 Kilometer von der Straße "landeinwärts" über enge Feldwege, im patagonischen Nirgendwo. Als wir zum Übernachten dort abbiegen, müssen wir nach einigen Kilometern stoppen: der Weg führt mitten durch einen Fluss (kein Bach, ein 50 Meter breiter Fluss...), die Estancia ist nicht anders erreichbar. Also campieren wir dort am Fluss, in jede Himmelsrichtung bis zum Horizont die patagonische Steppe. Und der stets anwesende patagonische Wind.

Dann erreichen wir das Fitz Roy Bergmassiv - eine beeindruckende Kulisse mit den bräunlichen, senkrechten Felsnadeln in der Mitte und vom Berg hinunterächzende Gletscher, die sich schließlich im Lago Viedma ergießen. Hier in El Chalten ist Argentiniens Wander-Eldorado und entsprechend viele schöne Campingplätze stehen uns zur Auswahl.

El Calafate und Perito Moreno Gletscher

Der Perito Moreno Gletscher ist ein ganz besonderes Highlight in Patagonien. Eine sechzig Meter hohe Eiswand schiebt sich auf drei Kilometern Breite in den Lago Argentino. Der Gletscher bewegt sich satte zwei Meter am Tag, so das recht häufig große Stücke in den See krachen. Die Oberfläche hat tiefe Risse und Spalten, die Abbruchkante ist dann ganz glatt und senkrecht. Das zerklüftete Eis leuchtet dunkelblau und von den Beobachtungspunkten kann man das Knacken und Ächzen deutlich hören.

Wir betrachten ihn von Land und vom Schiff, das unerschrocken zwischen den schwimmenden Eisbergen bis an die hochhaushohe Eiswand heranfährt.

Torres del Paine Nationalpark

Bevor wir den Torres del Paine Nationalpark erreichen und somit wieder von Argentinien nach Chile wechseln, müssen wir zunächst wieder einige hundert Kilometer bewältigen, die uns in den Minenort Rio Turbio verschlagen. Ein harmloser Nieselregen unterwegs hat sich blitzschnell zu einem dichten Schneetreiben entwickelt und das eben noch frühlingshafte Patagonien verschwindet unter einer dicken weißen Schicht. Hunderte Kilometer der kahlen Ebene, die eben noch grasige Steppe bis zum Horizont war, sind mit einem Schlag weiß. Offizielle Stellplätze gibt es hier nicht und abseits wollen wir nicht stehen, da die Gefahr besteht, bis zum Morgen tief einzuschneien. Die örtliche Tankstelle lässt uns campieren und wir erleben ein sehr skuriles Schauspiel: Die männliche Bevölkerung übertrumpft sich im Auspuff-Tuning ihrer Kleinwagen. Egal wie schrottig die Polos oder Fiat-Unos sind, Hauptsache laut. Es gibt hier tatsächlich kein ungetuntes Auto (was den Sinn, besonders aufzufallen etwas relativiert). Das Schauspiel raubt uns den Schlaf und wir geben der abgeschiedenen Lage und dem (durch Bergbau als einzigem Arbeitgeber bedingten) Männerüberschuss die Schuld an dieser - äh - speziellen Lokalkultur.

 

Dann passieren wir die Grenze und sind flux im Torres del Paine Nationalpark. Der Eintritt kostet umgerechnet € 25,- pro Person, nur zahlbar in chil. Pesos, aber da nach der Grenze direkt der Nationalpark anfängt, ohne das vorher eine Bank oder ein Geldautomat erreichbar ist, können wir leider nicht bezahlen. Man lässt uns trotzdem herein und wir erleben ein weiteres echtes Highlight. Sind die drei Torres zunächst von den üblichen Wolken verhüllt, sehen wir am nächsten Morgen einen kristallklaren Himmel von unserem Logen-Stellplatz und können wunderbare Bilder machen. Am Straßenrand grasen Lama-artige Rehe, Emus und Schafe. Am Lago Grey werden die Eisberge angespült die der ferne Gletscher ins Wasser hat krachen lassen. Allgegenwärtig ist der patagonische Sturm, man kann kaum ein ruhiges Foto schießen. Jonas muss sich an unseren Beinen festklammern, um nicht wegzufliegen.

Dann geht es weiter nach Punta Arenas, der südlichsten Stadt Chiles. Hier besuchen wir das Magellan-Denkmal, das maritime Museum und den Friedhof, auf dem auch viele deutsche Pioniere und Siedler ihre letzte Ruhe fanden (man beachte das Foto der Rechnung für den Friedhofseintritt - neben Posten wie "Grabpflege", "Umbettung" oder "Mauseleum" heisst es unter "Sonstiges: Eintritt zwei Touristen").

Außerdem sind wieder einige Reparaturen am Fahrzeug notwendig geworden. Am Boden haben sich durch die kontinuierlichen Erschütterungen der Ripio-Pisten ein paar Halterungen gelöst. Zudem mussten wir inzwischen viermal die Glühbirnen der Scheinwerfer wechseln. Taglicht-Pflicht plus Schotterstraßen sorgen für eine extrem kurze Lebensdauer.

Feuerland

Feuerland im engeren Sinne beginnt auf der "Isla Grande de Tierra del Fuego", nach der Überquerung der berühmten Magellanstraße. Die Fährpassage dauert zwanzig Minuten und der Seegang ist so rau, dass Gischt unentwegt über die hohe Bordwand auf die Autos klatscht, obwohl die Fähre ja nicht im offenen Ozean fährt.

Der patagonische Wind ist hier noch stärker und die Infrastruktur noch dünner. Wir übernachten an dem kleinen Posten San Sebastian, "windgeschützt" hinter dem Haus, doch selbst da wird der Gelbe ordentlich durchgeschüttelt. Der Wind ist so stark, dass man eine unbedacht geöffnete Tür nicht mehr alleine zuziehen kann! (immer schön die Schiebetür benutzen). Stellt man das Auto mit dem Heck in den Wind, rollt es ohne angezogene Bremse sofort los - selbst unser 3to Mobil auf grobem Schotter! Aber wir wollen nicht klagen, neben uns campiert ein Radfahrer im Einmannzelt! Er ist sehr dankbar, dass er in der engen Nische zwischen Haus und Auto sein schmales Lager beziehen kann.

Die Infrastruktur ist hier fast dünner als in der Atacamawüste. Das bedeutet: Wasservorräte planen, wo immer es geht auftanken und: persönlichen Duschintervall sehr weit strecken...

Ushuaia - südlichste Stadt der Welt

"Die südlichste Stadt der Welt", bzw. "Fin del Mundo" ist erreicht und damit auch der südlichste Punkt unserer Reise. Nach gut 20.000 Kilometern und über vier Monaten auf Tour, geht es von nun an nordwärts. Ein besonderer Augenblick, diese bisher so ferne und exotische Stadt zu erreichen. Südlich gibt es nur noch ein paar kleine Inselchen, den Ozean und die Antarktis!

Das Klima ist rau und nach den patagonischen Frühlingstagen empfängt uns Ushuaia standesgemäß mit dichtem Schneefall. Wir beziehen eine gemütliche Cabana und lassen dem Gelben eine Pause (die Camperheizung läuft trotzdem, damit das Wassersystem nicht einfriert). Dann öffnen wir eine Flasche Mumm auf dieses große Etappenziel.

Später fahren wir in den Nationalpark Tierra del Fuego. Hier hört die Ruta3, die über tausende Kilometer vom Norden Argentiniens südlich führt, endgültig auf. Normalerweise sagen sich hier Fuchs und Hase Gute Nacht, uns sagte der Fuchs allerdings "Guten Tag" (Bild oben).

Abends gibts dann (die große rote in antarktischen Gewässern lebende) Königskrabbe mit Pasta.

 

Nach fünf Tagen in der südlichsten Stadt der Welt machen wir uns wieder auf. Im Gelben geht es wieder durchs windige Feuerland, mit der Fähre über die Magellanstraße und dann befahren wir auf der Ruta3 die patagonische Ostküste Argentiniens. Ein neues Kapitel.

Aktuell

Medien zur Reise

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© Tim Voges