Los Tres Viajantes: Steffi, Tim + Jonas in Südamerika
Los Tres Viajantes: Steffi, Tim + Jonas in Südamerika     

Routa 16 von Corrientes nach Salta

Auf dem "Rückweg" von Iguazu passieren wir wieder Missiones mit den kurvigen hügeligen Straßen und der Patex-artigen roten Erde. Dann Corrientes mit dem flacheren, nicht mehr so exotischen Landschaft. Unterwegs - auf der einzigen Straße zwischen Posadas und Corrientes - geraten wir in ein "Gaucho Volksfest", es wird das 113. Jubiläum irgendeiner örtlichen Heiligen gefeiert und das bedeutet Pferde, Fahradfahrer, Autos, Anhänger, Grills, Planwagen ...mitten auf der Straße. Gauchos in voller Montur, laute Musik, überall wird gefeiert und gegessen, am Straßenrand in von Pferden gezogenen Planwagen campiert. Und der "Gelbe" aus Alemania mittendrin. Letztendlich stehen wir drei Stunden in diesem "Stau", bevor es weitergeht.

Wir machen ein Asado und treiben in einem kleinen Örtchen das letzte verkäufliche Fleich auf. - Doch gar nicht so einfach, ein Feuer ohne Kleinholz, Papier oder Grillanzünder zu entfachen... Unter uns Survival-Künstlern verschweigen wir mal, dass wir letztlich auf den 12V Bordfön angewiesen waren...

Der Gelbe hat auch den ersten Schaden abbekommen und ich könnte jetzt Legenden von Steinschlägen auf Schotterpisten oder geplatzen Reifen beim Offroadfahren erzählen. Doch die Wahrheit ist, ich bin rückwärts beim Rangieren gegen einen Baum gefahren und habe den Abstandssensor zertrümmert. Zurecht, denn er piepste nicht...

Eine weitere Stellplatzsuche führte uns nach 8 km Rumpelweg durchs Dickicht (kommt da noch was??) zu einem luxuriösen Campingplatz mit Pool, Strand (am Rio Parana) und Restaurant. Das nennt man dann wohl Geheimtipp.

Weiterhin gibt es mindestens 3 Polizeikontrollen pro Tag, aber wir müssen nie die Papiere zeigen, sondern werden immer durchgewunken oder allenfalls gefragt, wo wir hin wollen.

Dann machen wir uns auf, auf die Routa16, 700km diagonal durchs Land, von Corrientes Richtung Salta im Westen. Eine sehr einsame Straße. Mal sind 110kmh möglich, mal ist diese "Hauptverkehrsachse" von üblen Schlaglöchern durchzogen. Hier gibt es keine Stellplätze und so stehen wir über Nacht mit den Brummis an der einzigen Tankstelle. Eigentlich viel interessanter, das Kommen und Gehen aus dem Fenster zu beobachten, als alleine auf einem verlassenen Campingplatz zu stehen. Und dazu gratis.

Am zweiten Tag Routa16 wird es noch einsamer, gut, dass wir gestern noch getankt haben. Nun kommen die Anden in Sichtweite, am Horizont erahnt man die Silhouette des riesigen Bergmassives. Die Temperaturen fallen nun von tagsüber 27 Grad auf nachts 5 Grad.

Cafayate

Bevor wir dann nach Salta fahren, biegen wir zunächst südlich ab Richtung Cafayate und erleben großartige Strecken: Ein 70km Schotterweg durch die Berge, den wir komplett im zweiten Gang nehmen müssen, aber mit großartigen Landschaften belohnt werden. Ein einsamer Camino, manchmal gerade so breit wie das Auto. Teilweise geht es steil bergauf und bergab, teilweise an einem wilden Fluss entlang. Dann die Routa68 nach Cafayate mit den berühmten "Marslandschaften": Riesige Berge, rote, graue und gelbe Formationen, Serpentinenstraßen. Im Ort dann lauter Wein-Bodegas, eine große Plaza, ausgelassene Stimmung. Hier machen wir für mehr als eine Nacht Station. Tagsüber brennt die Bergsonne (1700m), nachts sind es draußen 3 Grad.

Wir schlendern gemütlich von Bodega zu Bodega und probieren den ein oder anderen örtlichen Tropfen.

Ach ja, was es hier noch gibt: Staub! Überall, wo nicht gerade eine Straße ist, ist Staub. Feiner grauer Staub, der so fein ist, dass jeder Schritt kleine Wölkchen aufwirbelt und der mineralisch in der Sonne funkelt. Unmöglich, den aus dem Auto (und der Lunge)  fern zu halten...

Salta

In Salta, keine 200km nördlich, hat sich dann diesige Luft über die Anden geschoben und es ist direkt 15 Grad kälter als gestern. Der städtische Campingplatz wartet mit dem "größten Freibad der Welt" auf, und das Becken hat auch wirklich gigantische Ausmaße. Es fehlt nur eine Kleinigkeit: Das Wasser. Naja, stattdessen spielt die Stadtjugend Fußball darin.

Routa 9 (Panamericana) bis zur bolivianischen Grenze

Nördlich von Salta, vorbei an San Salvador der Jujuy geht es auf der Routa 9, der "offiziellen" Panamericana. Diese Nationalstraße ist hier zwar geteert, hat für jede Richtung eine Spur und eine gestrichelte Linie in der Mitte, aber sie ist insgesamt nur 4 (!) Meter breit. Das bedeutet bei jedem Gegenverkehr für bei Fahrzeuge: Eine Seite ab ins Kiesbett. Die Straße windet sich zunächst durch eine bewachsene Berglandschaft, es könnte auch die "Road to Hana" auf Hawaii sein.

Zur Mittagspause in Jujuy bekommen wir von einem Straßenhändler hausgemachte Empanadas, die der Verkäufer flux aus seinem mindestens 45 Jahre alten Peugot holt, der eigentlich nur aus Löchern besteht. Durch ein kleines Missverständnis zwischen Steffi und mir ("6 Stück oder 12 Stück?" - "Ja!") erhalten wir dann auch gleich 18 Stück... Mit einem Bällchen zerkauten Kokablättern in der Backentasche übergibt er uns stolz seine Ware.

Hinter Jujuy wird die RN9 eine breite Autopista, die allerdings wegen einer Massenkarambolage gleich wieder gesperrt ist. Der Grund des Unfalls: Eine Sichtweite von null durch dichten Rauch, weil es hier so Sitte ist, den Böschungsbewuchs regelmäßig abzufackeln.

Schließlich fahren wir immer nordwärts nach Tilcara. Die breite, gerade Straße verläuft zwischen den flach wirkenden Bergen in einem sehr breiten, trockenen Geröllbett eines Flusses und man bemerkt dadurch kaum den Höhenanstieg (kein Vergleich zu einer Fahrt in die Alpen mit steilen Hängen links und rechts). So landen wir in Tilcara auf 3.500m, wobei es ja heisst, man soll nur max. 500m pro Tag steigen (nur wie, ohne Orte dazwischen?).

Inzwischen ist unterwegs ein immenser Sandsturm aufgekommen, so dass man beim Fahren kaum noch den Vordermann sieht. Der Staub drück durch alle Ritzen, jedes Kauen knirscht, jedes Naseputzen ist   ...sagen wir unerfreulich.

In Tilcara kann man sich kaum zu Fuß bewegen (jedenfalls nicht ohne Schutzbrille gegen den Sand), dabei ist es ein sehr nettes Traveller-Örtchen mit Hostals, Kneipen, Märkten, etc.

Dann geht es weiter zur Grenze nach Bolivien im äußersten Norden. Hier rasten wir ein letztes mal im unwirtlichen Ort La Quiaca. Hier gibt es absolut keine Stellplätze oder Unterkünfte - wir stehen schließlich genau vor der Dorfkirche (immer eine sichere Option) und während draußen die Leute zum Abendgottesdienst strömen, kochen wir Ratatoullie mit Reis.

Am nächsten Tag gehts auf zur Grenze, siehe Bolivien

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© Tim Voges