Los Tres Viajantes: Steffi, Tim + Jonas in Südamerika
Los Tres Viajantes: Steffi, Tim + Jonas in Südamerika     

Argentinien Nord

Zarate

Nach Zarate zu kommen, war die erste kleine Odyssee, denn zunächst fuhr der Zug aus Buenos Aires genau an unserem Reisetag wegen Bauarbeiten auf den Gleisen nicht. Unser Taxifahrer, der uns dann stattdessen zum Umsteigebahnhof bringen sollte, hatte so seine Mühe mit unserem Spanisch und unser aufgeschriebenes Ziel konnte er leider nicht lesen. Doch mit Hilfe diverser Passanten und vorallem seiner Seniora am Handy, die zuhause am Computadora vor einer Online-Karte saß, lies er sich dann navigieren. Als wir schließlich den Bahnhof erreichten, jubelte er vor Freude, das Ziel gefunden zu haben - und über unser Trinkgeld. Zum Abschied wurden wir alle abgeküsst.

Der (einzige) Anschlusszug kam leider erst 3 Stunden später (es war ja auch Sonntag) und so harrten wir auf dem Bahnsteig aus. Mit 70Kg Gepäck war unser Bewegungsradius doch etwas eingeschränkt.

Dann kam der Zug - ein wirklich abgewrackter Zug bestehend aus 3 Wagen und einer Rangierlok - der 2x täglich zwischen Zarate und Villa Ballester / B.A. hin und her pendelt. Während der Fahrt springen durch die holprige Strecke die Türen auf, das interessiert aber niemanden. Außerdem gibt es plötzlich einen lauten Knall - alle erschrecken sich - es ist nur ein weiteres Fenster durch die Erschütterungen gesprungen...

Der mitfahrende, führsorgliche Polizist mit sicherem Blick für Exoten wie uns, nimmt sich unser an und erklärt uns, dass der Zug heute nicht bis Zarate, sondern nur bis Campana fährt (10km vor Zarate). In Campana warten wir am verlassenen Bahnhof also wieder auf ein Taxi, aber weit und breit ist keins zu sehen. Ein hilfsbereiter Argentinier ruft uns dann per Handy eines herbei und wir werden galant (und preiswert) zum Hotel gefahren.

In Zarate ist ein wenig "Off-Season" (dazu Sonntag) und die Stadt wirkt auf den ersten Blick merkwürdig menschenleer. Dazu sind wir offenbar die einzigen Gäste im Hotel.

Nach einen sonnigen Spaziergang am nächsten Tag ändert sich das Bild aber völlig und wir genießen die örtlichen Cafés und erkunden schon mal, wo man demnächst am besten Gasflaschen, Proviant, etc. kauft.

  

Ein kleines Bilderrätsel: Was ist das?:

(Auflösung: WLAN durchs WC-Fenster)

 

Durch das lange Warten auf das Schiff kennen wir uns inzwischen bestens in Zarate aus und die Zarater kennen vermutlich inzwischen auch uns: Wenn wir tagsüber dem Kellner unserer Stammkneipe auf der Straße begegnen, grüßt er uns, wir kennen inzwischen die Wäscherei, jedes Cafe, jeden Spielplatz und jeden Geldautomaten.

Uns ist übrigens eine unserer beiden EC Karten durchgebrochen, aber zum Glück haben wir noch diverse Kreditkarten mit Abhebefunktion für die nächsten Monate.

Außerdem ist mir persönlich ein Zacken rausgebrochen, allerdings nicht aus der Krone, sondern aus einer Zahnfüllung. Kein Problem, durch unsere ausgedehnten Spaziergänge kennen wir auch die örtliche Zahnklinik schon.

 

Das Warten bringt Zeit für Gedanken, zum Beispiel über die Straßen und den Straßenverkehr hier. Zarate ist, wie die meisten amerikanischen Städte, schachbrettartig mit rechtwinkligen Straßen aufgebaut, sagen wir 20 quer und 20 längs (alles Einbahnstraßen). Das macht 400 Kreuzungen, an denen der Verkehr wie von Geisterhand fließt, obwohl weder "rechts vor links" noch das us-amerikanische "first come first go" gilt. Wir haben bislang wirklich nicht herausgefunden, wer wann warum fährt.

(Ergänzung: 400 Kreuzungen ergeben 1.600 potentielle Eckkneipen, aber nur 5-7 Ecken können sich damit rühmen).

 

Ein Schiff wird kommen...

26.6., 14h, die Grande Cameroon läuft in Zarate ein.

Der weitere Verlauf der Verschiffung unter... na? Verschiffung!

 

 

Nordwärts

Unsere Route nach Norden führte uns nach Zarate auf einen schönen Campingplatz im Lima (arg.) am Rio Parana. Auch unsere erste Gasflasche haben wir mit viel Hand-und-Fuß Gebärden erworben beim Gas-Gott "Coky". Der hatte noch eine passende deutsche (!) Flasche in seinem Lager.

Dann gings weiter nach Rosario und Santa Fe sowie Parana. Die Übernachtung war ein echtes Erlebnis, denn die wenigen ausgeschilderten Campingplätze entpuppen sich oft als geschlossen oder als Tagesgrillplätze ohne Übernachtungsmöglichkeit. Schon im Dunkeln auf der Suche, sprach uns "Martin" (80J., zahnlos, sehr aufgeregt wegen der Alemanos) an und spontan durften wir uns in seinen Garten stellen. Auch durch die morgentliche Polizeikontrolle wurden wir dank seines "Amigos" bei der Polizei durchgewunken.

In Parana: strandartige Anlagen am riesigen Fluss, riesige Spielplätze für Jonas, Sonne mit 25 Grad und nach einiger Suche ein toller Stellplatz, ca. 200m oberhalb des Flusses mit grandiosem Ausblick. In der Provinz Entre Rios eine weitere Polizeikontrolle. Ich habe das Gefühl, die Beamten können mit unseren Unterlagen nicht wirklich etwas anfangen, aber unsere Reisegeschichte und Jonas auf dem Rücksitz ergeben bis jetzt immer freie Fahrt.

Oft gibt es "WLAN Municipal", also Internet für alle. So erreichen euch auch diese Zeilen. Das wäre doch mal eine Initiative für Deutschland...

Weiter geht es nordwärts, unter anderem durch "Goya" und Mercedes", vorbei an Ituzaingo, Posadas und schließlich nach Iguazu zu den Wasserfällen.

Unterwegs allerlei Kurioses. In Goya, einem Örtchen am Rio Parana, sind 7 Stellplätze verzeichnet, aber durch das aktuelle Hochwasser sind alle überflutet, teilweise schauen nur noch die Spitzen der Schaukelgerüste der Spielplätze aus dem Wasser. Wieder müssen wir improvisieren und stehen schließlich auf dem Grundstück eines Moped-Schraubers (auch nur 5m vom Fluss entfernt und 80cm über der Wasserlinie. Ich bete, dass es nicht weiter regnet...). Inzwischen ist des tropisch schwül, 26 Grad, tags wie nachts, Schlaf ist nur bedingt machbar.

Weiter über "Mercedes" wollen wir auf einer Nebenstraße in einen Nationalpark. Zunächst 30km feinster Asphalt, 110kmh. Dann allerdings hört die Ausbaustrecke auf, eine Schlammpiste beginnt. Es wird immer schlimmer, Tiefe Pfützen und Matsch-Abschnitte, bis einem 20to LKW vor uns der Anhänger wegrutscht, die Deichsel bricht und der mit Kies beladene Hänger nun quer im Schlamm in halbmetertiefen Spurrinnen steht (siehe Bild unten). Wir betrachten geduldig das Bergungspektakel (der geladene Kies wird vor die Räder geschaufelt, provisorische Seile gespannt, die dann beim Anfahren der Zugmaschine unter lautem Knall reissen) und entscheiden dann schweren Herzens umzukehren. So sind wir abends - wie schon mittags - wieder in "Mercedes", aber das war sicher die richtige Entscheidung.

Dann geht es weiter über Ituzaingo, ein nettes Städtchen auch am Rio Parana (hier hat die Stromgesellschaft einen Riesenstaudamm gebaut und den Ort entsprechend großzügig ausgestattet. Angeblich kommen 25% des arg. Stroms von hier). Wir haben bei El Mirador einen tollen Stellplatz und speisen zünftig an der Uferstraße bei einem sehr netten Wirt, der uns noch viele Tipps mit auf den Weg gibt. Zuvor mussten wir wie immer Zeit bis 20:00h vertrödeln, denn als gute Deutsche haben wir immer um 18h Hunger, die Restaurants öffnen aber erst um 20h...

Am nächsten Tag geht es an Posadas vorbei - hier ist ein Streik der LKW-Fahrer-Vereinigung der Provinz Missiones und kurzerhand haben sie die großen Autobahnkreisel mit zig LKWs besetzt (aber gut gelaunt mit Musik und Snacks). Da wir kein LKW sind, lassen sie uns großzügig durch.

Wir übernachten auf dem "Jesuiten Campingplatz" in San Ignacio (wir sind wie immer die einzigen Übernachtungsgäste. Eine Frau aus der gegenüberliegenden Holzhütte auf dem Waldpfad hat uns das Tor geöffnet, sonst hätten wir gedacht, es sei seit Jahren geschlossen. Was daran "jesuitisch" ist? Vielleicht das wir zwischen Schweinen, Ziegen, Hühnern und Hunden aufgewacht sind). Am nächsten Tag besichtigen wir die Jesuiten-Ruinen (Unesco Weltkulturerbe!) und erreichen dann Puerto Iguazu, den Ort zu den gleichnamigen Wasserfällen. Ein sehr entspannter Platz bei "Oscar", dem gechillten Räucherstäbchen-Verfechter mit seiner Freiluftbar. Hier treffen wir auch ein Traveller-Paar, dass seit sechs Jahren im Dodge RAM unterwegs ist...

Iguazu

Die Wasserfälle: Atemberaubend! Einen ganzen Tag dauert es, alle Trails und Stege des Nationalparks zu entdecken, es gibt Stege oben entlang der Wasserkante mit spektakulären Panoramen und welche weiter unten direkt an den senkrechten Wassermassen entlang. Ohrenbetäubendes Getöse, wortwörtlich >atemraubende< Winde durch die Wassermassen und Gischt, die jeden in Sekundenbruchteilen klatschnass nebelt. Schon zu Beginn bekommt Jonas einen Bienenstich ab, aber dank kühlendem "Verband" mit einem nassen Socken scheint ihm das nicht viel auszumachen.

Oscar hatte vorher in Zeichensprache Tränen angedeutet und gesagt "It's very emotional". jetzt wissen wir, was er meinte. Die Wasserfälle sind wirklich unglaublich und jeden Weg wert.

 

Wir schwanken, ob wir quer durch Paraguay fahren sollen (kürzer) oder westwärts durch Argentinien um Paraguay herum (Prov. Missiones, Corrientes, Chaco). Wir entscheiden uns für letzteres.

P.S.: Der letzte Upload hat mich übrigens 4 Stunden in einem zwei-von-fünf-Balken WLAN gekostet, ich hoffe, ihr wisst es zu schätzen.

 

Dafür nun noch eine zweite Ladung Bilder:

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© Tim Voges